Immer bunter – immer lauter!

Kindermarketing. Kinder sind nicht nur die Konsumenten von morgen. Sie sind heute eine milliardenschwere Zielgruppe – und trotz öffentlichkeitswirksam proklamierter Zurückhaltung suchen Unternehmen nach immer neuen Wegen in die Köpfe der Kinder.

Denn Kinder sind eine äußerst attraktive Zielgruppe, sie sind nicht nur selbst überaus aktive Konsumenten, sondern häufig auch wichtige Multiplikatoren, um Kaufentscheidungen der eigenen Familie oder ihres sozialen Umfeldes zu beeinflussen.

Unternehmen und Agenturen erfinden daher auch immer neue Maßnahmen, um in dieser Zielgruppe präsent zu sein. So erreicht Werbung Kinder heute auch dort, wo man sie in einem vermeintlich geschützten Umfeld wähnt: in den eigenen vier Wänden, in der Schule, im Sportverein, in Sozialen Netzwerken und im Internet.

Es ist ein frommer Wunsch vieler Eltern, zu glauben, dass man Werbung von seinen Kindern fernhalten kann oder der Einfluss von Werbung jederzeit kontrollierbar sei. Eine bessere, weil nachhaltigere Lösung ist es, die Medienkompetenz von Kindern möglichst früh zu schulen und Kindern so die Möglichkeit zu geben, Werbung als solche zu erkennen und einzuordnen. Werbung findet sich heute schon in Kindergärten. Eltern müssen sich daher auch schon sehr früh mit dem Einfluss, den Werbung auf ihre Kinder hat auseinandersetzen.

Moment mal! Sollte ich jetzt nicht einen gegenteiligen Standpunkt vertreten? Markenpräferenzen von Erwachsenen bilden sich bekanntlich schon im Kindesalter und ändern sich danach eher selten…

Nein. Denn auch Unternehmen und Agenturen sollten hier die Zeichen der Zeit erkennen. Aufgrund der Vielzahl von Marketingmaßnahmen und von Kindern konsumierten Medien sowie der täglich verbreiteten Werbebotschaften reduziert sich auch der ROI jeder einzelnen Maßnahme.

Wer sich heute die Werbeblöcke in den Kinderprogrammen der Privatsender anschaut, wird regelrecht erschlagen von der Masse der auf die Kinder einprasselnden Werbebotschaften. Viele der oft kreischendbunten Spots werden außerdem innerhalb eines Werbeblocks noch wiederholt und mit einer Intensität präsentiert, die für viele Erwachsene schon an Nötigung grenzt. Kinder sind dagegen oft begeistert.

Doch ist „immer bunter – immer lauter“ das richtige Rezept für den dauerhaften Erfolg eines Produktes oder einer Marke? Viele der Produkte sind vergleichbar und damit austauschbar und so dürfte es immer schwerer werden, einzelne Produkte oder Marken dauerhaft zu etablieren. Die Folge ist, dass Marken und Produkte kommen und gehen und nur die Budgets immer neu verteilt werden.

Letztlich schaffen es nur wenige Marken, sich bis zum Erwachsenwerden in den Köpfen festzusetzen. Und so bleibt Kindermarketing für Unternehmen und Agenturen ein Rennen mit offenem Ausgang.

Kindermarketing: Werbung verführt unsere Kinder